Von Grautönen und Farbtupfen (Teil II: Giza)

Wer sich länger in Kairo aufhält, kommt nicht darum herum, sie zu sehen: Die Pyramiden von Giza. Ein Weltwunder, als Touristenattraktion schlechthin überrannt von Menschen und überschüttet von chinesischen Krimskram, den man nett als Souvenirs umschreiben mag.

 

Hier geht's zu Teil I: Altstadt.

 

Da ich sowohl Donnerstag als auch Freitag frei habe, versuche ich meist, zumindest an einen der beiden Tage einen größeren Ausflug zu planen. An einen solchen Tag habe ich mich mir inzwischen auch die Pyramiden von Giza angesehen. Sie befinden sich im Westen der Stadt, auf der anderen Seite des Nils. Genauer gesagt am Rande von Giza, die als selbstverwaltete Stadt neben Kairo besteht. Es gibt noch weitere Pyramidenfelder in Ägypten, die meisten sind jedoch weiter entfernt und zudem weniger bekannt. Bereits die Fahrt zu den Pyramiden von Giza kostet mehr als eine Stunde, abhängig von dem Verkehrsmittel, das man wählt.

 

Wir entscheiden uns für die günstigste Variante: Wir fahren mit der Metro nach Giza und steigen dort in einen Kleinbus um. Ich bin mit einem ägyptischen Freund unterwegs, das erleichtert die Suche nach dem richtigen Bus definitiv. In der Nähe der Pyramiden steigen wir schließlich aus. Wir müssen von dort noch eine ganze Weile laufen.

 

Mein Freund hat mit Bekannten, die uns zu Pferd zu den Pyraminden bringen wollen, einen günstigen Preis ausgehandelt. Dazu müssen wir jedoch zunächst zu ihren Stall finden. Zwar stehen unmittelbar am Eingang zu den Pyramiden zahlreiche Pferde und Kamele für die Touristen bereit. Die meisten sind jedoch in einem erbärmlichen Zustand und kosten zudem ein Vielfaches. Also laufen wir hinein in die Gassen von Nazlet El-Samman, den Stadtteil von Giza, indem sich die Stallanlagen befinden. Überall am Straßenrand stehen bereits gesattelte Pferde bereit, an anderen Ecken Kamele. Manche von ihnen kommen uns freilaufend entgegen. Immer wieder müssen wir Reitern ausweichen, die uns im vollen Galopp überholen. Dann eine größere Gruppe, die im gemächlichen Schritt an uns vorbeizieht.

 

Als wir schließlich den Stall von den Bekannten erreichen, müssen wir noch eine Weile auf unseren Guide warten. Wir setzen uns an einen kleinen Tisch vor dem Haus und bekommen einen Tee angeboten. Mein Getränk schlürfend sitze ich also in der Sonne, beobachte ein Kamel, das friedlich kauend in der Nähe steht und philosophiere über die so andere Umgangsweise mit Zeit in Ägypten. Ein kleines Fohlen springt zwischen den angebundenen Pferden am Straßenrand hin und her. Dann galoppiert ein Mann auf einem edlen Araber an uns vorbei. Und schließlich geht es los.

 

Es dauert nicht lange, bis wir den Eingang zu den Pyramiden erreichen. Wir kaufen ein Ticket - als Ausländer bezahlt man 80 Ägyptische Pfund. Später erfahre ich, dass ich mir mit diesem Ticket lediglich die Pyramiden von außen ansehen darf. Dann werde ich wohl noch einmal wieder kommen müssen.

 

Nachdem wir die Sicherheitskontrolle passiert haben, müssen wir auf unseren Guide warten, der mit den Pferden einen anderen Eingang nehmen muss. Wir schauen hoch zu den drei Pyramiden, die in einiger Entfernung auf einer Anhöhe stehen. Hübsch, denke ich. Aber mehr auch irgendwie nicht.

Selbst als wir schließlich mit unseren Pferden direkt neben den Pyramiden stehen, ändert sich an meinem Eindruck nichts. Ja, es tut mir Leid. Kulturbanause, denkt ihr jetzt wahrscheinlich. Aber tatsächlich kann ich mir den großen Felsblöcken, die da aufeinander aufgeschlichtet sind, recht wenig abgewinnen. Nicht, dass mich der Gedanke, dass diese Bauwerke schon vor tausenden von Jahren aufgebaut wurden, nicht faszinieren würde. Aber ... es sind halt einfach nur große Steine. Ich habe natürlich trotzdem reichlich Fotos gemacht.

Allein der deutlich besseren Luft wegen hat sich der Ausflug trotzdem gelohnt. Und auch die Aussicht auf die Stadt war nicht schlecht. Und schließlich habe ich den Ritt durch den Sand doch sehr genossen. Auf unseren Rückweg hat uns unser Guide einen kleinen Umweg über theoretisch gesperrtes Gelände genehmigt, um uns den Wunsch auf eine letzte Runde im Galopp zu erfüllen. Danach war ich definitiv glücklich. Ich kann mich nicht erinnern, jemals auf einem Pferd gesessen zu haben, bei dem es mich nicht harte Arbeit gekostet hat, das Tier im Galopp zu halten. Und selbst dann fühlte sich das mehr wie gemütliches auf-der-Stelle-hüpfen an, als wie ein tatsächlicher Galopp. Mit dem ägyptischen Vierbeiner war das jedoch anders. Der rannte fast wie von alleine und das in einer Geschwindigkeit, die sich für mich beinahe wie Fliegen anfühlte. Also ja, der Ausflug hatte sich gelohnt, und wenn es nur wegen dieses kurzen Moments des Fliegens gewesen wäre ...

Wenn man nicht einmal durch die ganze Stadt möchte, um die frische Luft an den Pyramiden zu genießen, gibt es eine wunderbare Alternative am Rande von Maadi: Wadi Degla. Hier geht's weiter: Von Grautönen und Farbtupfen (Teil III: Wadi Degla)

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