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Fremd auf vertrauten Straßen

Anfang Juni, ein Montag. Die Sonne scheint. Ein lauer Wind weht. Es ist warm, aber nicht zu heiß. Ein paar hundert Meter vor mir das rießige Bahnhofsgebäude von Leipzig, hinter mir der Augustusplatz, Zentrum dieser Stadt. Ich sehe mich um. Es ist gut neun Monate her, dass ich das letzte Mal hier gestanden habe. Neun Monate, in denen viel passiert ist, in denen ich viel erlebt habe, viel gesehen habe. Neun Mon ate weit weg von hier, in einem anderen Land, das so ganz anders ist als meine Heimat. Neun Monate in einer chaotischen und dreckigen und doch auch so bunten und faszinierenden Stadt. Neun Monate in Kairo, in Ägypten, dem Land der Pharaonen.


Ein Land, das vielen Deutschen nicht nur aus Geschichtsbüchern bekannt ist. Nein, viele von ihnen haben selbst schon in den Liegestühlen am Strand von Hurghada gesessen. Die rießigen Steine berührt, aus denen die Pyramiden einst gebaut wurden. Heute ein Weltwunder. Oder sind mit einem der zahlreichen Kreuzschiffe über den Nil geglitten, vorbei an Tempeln und Grabstätten von Ramses und seinen Vor- und Nachfahren. Ja, Ägypten ist ein Touristenziel schlecht hin. Und trotzdem haben viele dieser Touristen doch nur eins gesehen: Eine rießige Karnevsalveranstaltung zu ihrem Vergnügen. Eine Show, die nur einen so winzigen Teil dieses Landes zeigt. Hinter den Vorhang haben die Wenigsten geblickt. Sie haben nicht gesehen, dass dieses Land so viel mehr ist, als der Händler in Gizeh, der Ihnen eine Plastikpyramide für einen Preis verkauft, der etwa den zehnfachen Wert beträgt. Und Sie haben auch nicht gesehen, dass es mehr ist, als  der Taxifahrer vorm Hotel, der im Einklang mit dreiunzwanzig anderen Männern "Taxi!", "Taxi", "Taxi!" schreit. Und Ihnen dann versichert, dass er einen Zähler im Auto hat, dabei allerdings verschweigt, dass der bereits vom Vorbesitzer manipuliert wurde. Ich seufze sehnsüchtig und laufe weiter, vorbei an Gebäuden, an Straßenschildern, an dem kleinem Park vorm Bahnhof. An all den Dingen, die auch schon vor 9 Monaten hier waren. Scheinbar hat sich nichts verändert. Alles scheint mir so unglaublich  vertraut, als wäre ich erst gestern hier gewesen. Wahnsinnig vertraut, und trotzdem fühle ich mich unglaublich fremd auf diesen Straßen.

 
Fünf Wochen später. Mitte August. Gleicher Ort. Wieder scheint die Sonne, blauer Himmel, 27 Grad. Nur in mir drin ist es kalt. Bewölkt, verregnet, irgendwas, bloß nicht sonnig. Und das nicht erst seit gestern. Nein, seit dem Tag, an dem ich zurückgekehrt bin. Zurück in diese vertrauten Straßen, durch die ich heute eile. Die Alltagsroutine ist wieder da. Also eigentlich alles beim Alten. Nur ich nicht. Mein Herz fühlt sich schwer, seit Wochen nun. Ich bin unzufrieden mit dem, was ich hier habe, obwohl ich es eigentlich nie hinter mir lassen wollte. Es ist mir schwer gefallen, ganze neun Monate wegzugehen. Mir ging es hier doch gut. Hier fühlte ich mich wohl, hier fühlte ich mich zuhaus. Und jetzt reicht es mir nicht mehr. Stattdessen sehne ich mich nach der Ferne, nach diesem bunten Chaos, das für mich innerhalb der letzten Monate ein Zuhause geworden ist. Ich sehne mich nach dem Land, was so viel mehr ist, als Pyramiden und Touristenmärkte. Und so fühle ich mich einfach nur fremd in diesen vertrauten Straßen.

Drei Wochen später. Anfang September. Es ist kühler geworden. Ich sitze auf einer Bank, einen Kaffeebecher in der Hand, vor mir wieder die gleichen  Gebäude. In Gedanken noch immer weit fort. Ich vermisse das Land, das so viel mehr ist als nur weißer Sand und Liegestühle. Ich vermisse das bunte Chaos. Die überfüllte Metro. Die Hunde am Straßenrand. Aber auch die Palmen. Den Sand der Wüste, die mal weiß, mal schwarz, mal rot ist. Und das Meer, da wo die Strände nicht überrannt sind von Touristen. Da, wo nur ich, das Rauschen der Wellen und der einsame Fischer ist. Und ich vermisse die Menschen, die meinem Herzen während des letzten Jahres so nah gekommen sind. Meine WG-Mitbewohner, meine Arbeitskollegen, meine Freunde 
und eben die Menschen, die ich jeden Tag auf der Straße getroffen habe. Den Taxifahrer. Meinen Obstverkäufer. Den Junge mit dem frischen, noch warmen Brot. Den Hausmeister. Und den alten Mann, der an der Ecke der 199. Straße sitzt, der mich jeden Tag auf dem Weg zur Schule gegrüßt hat und dessen Name ich trotzdem nie erfahren habe. Die alten und jungen Männer, die abends im Straßencafé sitzen, aus einer Tasse schwarzen Tee schlürfend, Shisha rauchend. Sie spielen miteinander Domino, lachen und scherzen, auch wenn das Leben in diesem Land gerade wenig Grund zur Freude schenkt. Ich vermisse dieses gastfreundliche, hilfsbereite und kreative Volk, das es gelernt hat, aus der Not eine Tugend zu machen, sich zu helfen weiß, mit einfachen und doch effektiven Mitteln. Ich vermisse dieses Land, das so viel mehr ist, als das, was die Medien zu zeigen vermögen. 

Aber es ist ok. Es ist ok, dass ich sie vermisse, denke ich mit einem entspannten Lächeln. Mein Blick wandert dabei an den Fassaden der Häuser entlang, die mir so vertraut sind. Sie wurden neu gestrichen. In den Monaten, in denen ich weg war. Schick sehen sie aus. Und ein neuer Bäcker ist dort vorne ins Eckhauses gezogen, fällt mir jetzt auf. Der süße Duft von frischen Kuchen steigt mir in die Nase. 

Ja, es ist ok, dass ich Kairo vermisse. Und es ist ok, dass ich mich fremd fühle auf diesen vertrauten Straßen. Denn ich habe inzwischen etwas begriffen. Es sind diese Bilder, diese Erinnerungen, diese Menschen, die mich hier fremd fühlen lassen. Weil sie zu einem Teil von mir geworden sind und mich dadurch verändert haben. Mich so verändert haben, dass ich nicht mehr in meine alte Rolle passe. Aber das ist ok. Ich muss nicht in mein altes Leben wieder hinein passen. Ich habe Dinge gelernt, neue Dinge, bin reifer, selbstbewusster geworden. Und es ist ok, dass ich nicht mehr dieselbe bin. Denn es ist ein Geschenk, das zu sein, was diese Erfahrungen, diese Bilder in meinem Kopf und die Herzlichkeit dieser Menschen aus mir gemacht haben. Einen Menschen, der eben diese Herzlichkeit und Gastreundschaft weitergeben möchte. An die, die aus der Ferne zu uns kommen. Ich stehe auf, lächele, während ich durch neue Straßen davon laufe. 

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Auf zwei Rädern am Nil aufwärts (Teil II: Kairo - Beni Swuef 130km)

Es ist Feiertag, Tag der Revolution von 2011, als wir Kairo verlassen. Die theoretisch drei -, praktisch vier- bis fünfspurige Straße ist daher weit weniger befahren als sonst. Was nicht heißt, dass die Autofahrer weniger chaotisch unterwegs wären. Wir versuchen uns an der Seite zu halten, was sich jedoch bei einer Straße, die sich zum Fahrbahnrand immer mehr in Staub auflöst, nicht ganz einfach gestaltet.

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Auf zwei Rädern am Nil aufwärts (Teil I: Ein holpriger Start)

Ich stehe auf dem Balkon. In der Ferne sehe ich einige Gebirgszüge, die sich südlich von Kairo hinter den letzten Hochhäusern der Stadt erheben. Sie sind im dichten Smog, der über Kairo hängt, fast unsichtbar. Aber nur fast.

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Von Grautönen und Farbtupfen (Teil IV: El-Santa)

Neben den vielen kleinen Ausflügen in und um Kairo bin ich während der letzten beiden Monate zweimal über das ganze "Wochenende" aus dem Chaos von Kairo geflohen. Beide Male führt mich meine Reise ins Nildelta, in ein kleines Dorf nahe Elsanta.

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Von Grautönen und Farbtupfen (Teil III: Wadi Degla)

Wenn man nicht einmal durch die ganze Stadt möchte, um die frische Luft an den Pyramiden zu genießen, gibt es eine wunderbare Alternative am Rande von Maadi: Wadi Degla. Als Wadi bezeichnet man einen ausgetrockneten Flusslauf. Ein kleines Stück Wüste mitten in der Stadt, umgeben von Gebirgsketten, die das Gebiet vom Lärm und dem Gestank aus der Stadt abschirmen.

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